esoteric profiling

Fabian Heller

Bildschirme, Raspberry Pis, Lokales Netzwerk, Webcam

Vier Bilder Kacheln die surreal anmutende, verpixelte Gesichter zeigen

Nur weil es kostenlos ist heißt es nicht, dass man nicht dafür bezahlt. Weiß man ja, die endlosen Cookie Disclaimer erinnern ständig daran. Unsere Social Media accounts und Emailfächer, kostenlos aber gegen Abgabe der eigenen Daten. Dennoch sehr bequem und gut für den Geldbeutel. Also ist es doch gar nicht so schlecht. Was passiert denn mit den Daten überhaupt so großartiges ? Was haben Die davon, dass die unsere IP Addressen, Gerätenummern, Standorte und Vorlieben kennen ?

An sich lernt man uns doch so nur besser kennen und kann uns ein besseres personalisierteres Angebot bieten. Algorithmen zeigen uns viele schöne Dinge, interessante Feeds und tolle Produkte. Es ist doch sehr nett in der eigenen Blase. Nur Menschen die ich mag und die mich interessieren. Alle sind meiner Meinung und auf meiner Seite. Auch gut: Ich muss mir nichts geben was nicht zu mir passt. Pfui.

Das auf das analoge Leben ausgeweitet wäre doch eine Utopie. Zum kleinen Preise der eigenen Daten, was für ein Schnapper. Aber wieso nur Denen die Daten geben ?

Warum nicht mit allen teilen? Alle Daten für Alle! Wir könnten Empathie neu lernen und uns selbst besser erkennen. Als Gruppe guter Menschen könnten wir alle unsere Daten zusammenlegen und verrechnen und so einen gemeinsamen Median finden, ein über uns schwebende Wir in dem wir unsere Egos auflösen können. Haben wir unseren Median, unsere Mitte erstmal gefunden müssen wir jedoch aufpassen, dass diese nicht in Gefahr gebracht wird. Sonst kommt am Ende noch jede*r in den Club, in unseren Daten Club. Deswegen ist es wichtig, dass wir über uns so viele Daten wie möglich haben um diese mit den Daten derer die von außerhalb kommen abzugleichen um zu sehen wer zu uns passt und wer nicht. Dafür hatten wir bisher immer nur einen Türsteher. Jetzt haben wir Daten.

Heute ist Free entry, weil wir ja alle gute Leute sind. Unsere Daten sehen toll aus. In diesem Fall Bilddaten. Genau genommen Pixelfarbwerte [RGB]. Die Webcam am Eingang hat höchstwahrscheinlich dein Gesicht erkannt. Hast du die Webcam auch erkannt ?

Das System schaut sich die Farbwerte jedes einzelnen Pixels deines digitalen Ebenbildes an. Nüchterne Zahlen beschreiben die Farben deines Gesichtes. Diese Zahlen werden mit denen der anderen Besucher in eine Liste eingeteilt. Doch die einzelnen Bilder von uns Individuuen ist nicht das Ziel sondern das was dazwischen liegt. Was ist zwischen deinen [120,60,10] farbenen Augen (braun) und meinen [80,170,200] Farbigen Augen (blau)? Das was du auf dem Bildschirm siehst. Bei 0 anfangend ändert sich die Farbe jedes Pixels schrittweise bis er die Farbe des ersten Gesichtes angenommen hat. Ohne stehen zu bleiben bewegt sich die Farbe des Pixels von da ein weiter zu der Farbe des nächsten Gesichtes. Das System kennt weder ein Du noch ein Ich oder sonst ein Ego sondern nur viele viele Zahlen, Daten. Es wird kein einziges Foto von dir als Individuum dauerhaft gespeichert sondern es wird in unseren großen gemeinsamen Datenfluss eingespeist in dem es sich schließlich auflöst da stetig neue Gesichter die alten ersetzten. Spätestens am Ende der Öffnungszeiten wird jedes Gesicht gelöscht. No Worries.

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